Notgroschen vor ETF-Sparplan: Wie viel Cash macht Sinn
- Ein Notgroschen sollte drei bis sechs Nettomonatsausgaben abdecken, in unsicheren Berufen oder bei Selbstständigen eher sechs bis zwölf. - Tagesgeld mit Einlagensicherung 100.000 Euro pro Bank ist der richtige Ort. Aktien-ETFs sind dafür ungeeignet, weil sie genau dann fallen,
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- Ein Notgroschen sollte drei bis sechs Nettomonatsausgaben abdecken, in unsicheren Berufen oder bei Selbstständigen eher sechs bis zwölf.
- Tagesgeld mit Einlagensicherung 100.000 Euro pro Bank ist der richtige Ort. Aktien-ETFs sind dafür ungeeignet, weil sie genau dann fallen, wenn der Notgroschen gebraucht wird.
- Der scheinbare Renditeverlust durch den Cash-Puffer ist gering: Bei 15.000 Euro Notgroschen verzichtest du auf rund 5.250 Euro Mehrrendite über 10 Jahre, vermeidest aber Zwangsverkäufe im Crash.
Warum der Notgroschen vor dem ETF kommt
Wer mit dem Vermögensaufbau startet und sofort die volle Sparrate in einen Aktien-ETF schiebt, baut auf wackligem Fundament. Ein kaputter Kühlschrank, eine teure Autoreparatur, ein Jobverlust kommen unvorhergesehen, und genau dann muss Liquidität verfügbar sein. Wer dann ETF-Anteile verkaufen muss, riskiert zwei Probleme: Erstens fällt der Aktienmarkt häufig genau dann, wenn die Gesamtwirtschaft schwächelt und damit auch das eigene Einkommensrisiko steigt. Zweitens werden Steuern auf Veräußerungsgewinne fällig, die das Nettoergebnis weiter schmälern.
Ein Notgroschen ist deshalb keine renditemindernde Schwäche, sondern Risikomanagement. Er stellt sicher, dass der ETF-Sparplan ungestört über Jahrzehnte laufen kann, ohne dass kurzfristige Engpässe zu panischen Verkäufen zwingen.
Wie hoch der Notgroschen wirklich sein muss
Die gängige Faustregel lautet drei bis sechs Nettomonatsausgaben. Das ist allerdings ein grober Richtwert, der je nach Lebenssituation deutlich variiert. Entscheidend ist die monatliche Ausgabenbasis, nicht das Nettoeinkommen. Wer 3.500 Euro netto verdient und 2.200 Euro davon ausgibt, braucht 6.600 bis 13.200 Euro Notgroschen, nicht 10.500 bis 21.000 Euro.
| Lebenssituation | Empfohlener Notgroschen |
|---|---|
| Festangestellt, Single, jung | 3 Monatsausgaben |
| Festangestellt, Familie | 4 bis 6 Monatsausgaben |
| Beamtin oder Beamter | 2 bis 3 Monatsausgaben |
| Freiberufler oder Selbstständige | 6 bis 12 Monatsausgaben |
| Mit Eigentumswohnung und Hypothek | 6 Monatsausgaben plus Rücklage |
| Mit Auto und Haus auf dem Land | 4 bis 6 Monate plus Sonderpuffer |
Die Bandbreite ergibt sich aus zwei Risikofaktoren: Wie wahrscheinlich ist ein Einkommensausfall, und wie schnell findet die Person einen neuen Job? Ein IT-Spezialist mit gefragter Qualifikation kommt mit drei Monaten aus, ein Selbstständiger im saisonalen Geschäft braucht zwölf.
Wo der Notgroschen liegt
Drei Anforderungen muss der Notgroschen erfüllen: jederzeit verfügbar, ohne Kursverluste, mit Einlagensicherung. Daraus ergeben sich exakt drei sinnvolle Orte.
Tagesgeldkonto ist der Standard. Die Einlagensicherung in der EU beträgt 100.000 Euro pro Bank und Kunde. Zinsen liegen 2026 bei deutschen Banken zwischen 1,5 und 3,2 Prozent, je nach Anbieter und Aktionsphase. Wer mehr als 100.000 Euro Notgroschen hält, verteilt auf zwei oder drei Banken.
Festgeld mit kurzer Laufzeit funktioniert nur dann, wenn man einen kleineren Teil des Notgroschens parken will und sicher ist, dass der nicht plötzlich gebraucht wird. Drei oder sechs Monate sind die maximale Laufzeit für Notgroschen-Anteile.
Geldmarkt-ETFs sind eine moderne Alternative für größere Beträge ab 50.000 Euro. Sie bilden den kurzfristigen Euro-Interbankenzins ab, schwanken nur minimal, sind aber täglich liquide. Steuerlich werden sie wie normale ETFs behandelt, also mit Vorabpauschale und ohne Teilfreistellung.
Komplett ungeeignet sind Aktien-ETFs, Anleihen-ETFs mit langer Laufzeit, REITs oder Krypto. Sie können in Krisen 30 bis 60 Prozent verlieren.
Beispiel 1: Wieviel Rendite kostet der Notgroschen?
Eine Sparerin hat 30.000 Euro angespart und überlegt: 15.000 Euro Notgroschen auf Tagesgeld bei 2 Prozent, oder alles in einen Aktien-ETF mit erwarteten 6 Prozent Rendite?
Variante A, mit Notgroschen: 15.000 Euro auf Tagesgeld zu 2 Prozent ergeben nach 10 Jahren rund 18.279 Euro. 15.000 Euro im ETF zu 6 Prozent ergeben nach 10 Jahren rund 26.862 Euro. Gesamt 45.141 Euro.
Variante B, alles im ETF: 30.000 Euro zu 6 Prozent ergeben nach 10 Jahren rund 53.725 Euro.
Differenz: 8.584 Euro nominale Mehrrendite ohne Notgroschen. Allerdings ohne Berücksichtigung von Steuern und Risiko. Wenn die Sparerin in einem dieser zehn Jahre einen Engpass hat und 8.000 Euro mitten in einem 30-Prozent-Crash entnehmen muss, verkauft sie Anteile mit echtem Verlust. Der Notgroschen kostet etwa 5.250 Euro Nettorendite über 10 Jahre, vermeidet aber Verluste von 2.400 Euro im Worst Case plus die psychologische Verkaufsfalle.
Beispiel 2: Selbstständige mit schwankendem Einkommen
Ein Selbstständiger mit durchschnittlich 4.000 Euro Monatsumsatz und 2.500 Euro Privatausgaben braucht laut Empfehlung 15.000 bis 30.000 Euro Notgroschen. Er entscheidet sich für 25.000 Euro, verteilt auf:
- 15.000 Euro Tagesgeld zu 2,3 Prozent bei Bank A
- 5.000 Euro Tagesgeld zu 1,8 Prozent bei Bank B als Backup
- 5.000 Euro 3-Monats-Festgeld zu 2,7 Prozent, rollierend
Die durchschnittliche Verzinsung liegt bei rund 2,2 Prozent, jährliche Zinsen 550 Euro vor Steuer. Der ETF-Sparplan kann parallel mit 400 Euro pro Monat laufen, ohne dass der Notgroschen angerührt wird. Im Krankheits- oder Auftragsausfall hält das Polster ihn 10 bis 12 Monate liquide, ohne dass der ETF angefasst werden muss.
Wann der Notgroschen wieder kleiner werden kann
Die Höhe des Notgroschens ist keine Konstante. Drei Anlässe rechtfertigen eine Reduktion:
- Verbeamtung oder unbefristeter Job mit Branchen-Sicherheit, weil das Einkommensrisiko sinkt.
- Eigene Familie mit Doppeleinkommen, weil das gleichzeitige Ausfallen beider Einkommen unwahrscheinlich ist.
- Großvermögen über 200.000 Euro, weil eine Entnahme aus dem ETF auch im Crash nicht existenziell wird.
Wer den Notgroschen reduziert, schiebt die freigewordene Liquidität in den ETF-Sparplan. Diese Umschichtung sollte aber nicht panisch erfolgen, sondern in zwei bis drei Tranchen über sechs Monate.
Was du jetzt tun kannst
Drei Schritte bringen den Notgroschen auf den richtigen Stand:
- Monatsausgaben tracken über drei Monate, um eine realistische Basis zu haben. Faustregel: Nettomiete plus Versicherungen plus Lebenshaltung plus Auto.
- Tagesgeldkonto eröffnen mit aktuell besten Zinsen, nicht beim Hauskonto parken. Aktionsangebote bei Vergleichsportalen prüfen.
- Sparplan parallel laufen lassen, statt erst den Notgroschen voll zu füllen und dann mit ETF zu starten. Beides parallel zu bedienen funktioniert besser, weil der ETF Zeit für Zinseszins gewinnt.
Notgroschen für Familien mit Kindern
Familien haben einen größeren Notgroschen-Bedarf als Singles, aus drei Gründen. Erstens sind unerwartete Ausgaben höher: Kinderzimmer-Reparatur, kaputte Waschmaschine, Klassenfahrt, Zahnarzt-Eigenanteil summieren sich schneller. Zweitens reagiert die Familie weniger flexibel auf Einkommensausfälle, weil Kinderbetreuung und Schulkosten fix sind. Drittens ist eine längere Erwerbslosigkeit für Hauptverdiener schwerer zu überbrücken, wenn die Familie davon abhängt.
Für eine Familie mit zwei Kindern und einem Hauptverdiener empfehlen sich sechs bis neun Monatsausgaben als Notgroschen. Bei 2.800 Euro monatlichen Ausgaben sind das 16.800 bis 25.200 Euro. Wer beide Partner berufstätig hat, kann den Notgroschen etwas kleiner halten, weil das gleichzeitige Ausfallen beider Einkommen seltener ist.
Notgroschen nach Renteneintritt
Im Ruhestand sinkt der Notgroschen-Bedarf in der Regel, weil das Einkommen aus Rente und privater Vorsorge stabil ist. Trotzdem bleibt ein Polster für unerwartete Ausgaben sinnvoll: Pflegekostenanteile, größere Reparaturen an der Eigentumswohnung, Gesundheitskosten oberhalb der Kassenleistung.
Für Rentner ist ein Notgroschen von drei bis vier Monatsausgaben meist ausreichend, bei eigenem Haus eher fünf Monate plus separate Sanierungsrücklage. Wer mit privater Krankenversicherung im Ruhestand startet, sollte zusätzlich eine Pflege-Reserve von 10.000 bis 30.000 Euro einplanen, falls der Eigenanteil im Pflegefall greift.
Notgroschen und steigende Zinsen
In Jahren mit niedrigen Tagesgeldzinsen ist der Notgroschen ein scheinbarer Renditeverlust. 2021 bei 0,01 Prozent Zinsen wirkte er wie totes Kapital. 2026 ist die Lage anders: Mit 2,3 bis 3,2 Prozent Tagesgeldzins arbeitet der Notgroschen real für seinen Halter. Bei 15.000 Euro Notgroschen zu 2,5 Prozent ergeben sich 375 Euro Bruttozinsen pro Jahr, nach Steuer rund 276 Euro. Das ist kein Reichtum, aber besser als nichts.
Wer den Notgroschen zwischen zwei Banken aufteilt, sollte regelmäßig die Tagesgeldzinsen vergleichen. Aktionsangebote bei Neukunden bieten oft 3 bis 4 Prozent für die ersten Monate. Ein Wechsel alle 6 bis 12 Monate kann zusätzliche 100 bis 200 Euro pro Jahr Zinsen bringen.
Notgroschen aufteilen nach Verfügbarkeit
Eine bewährte Praxis ist die Aufteilung des Notgroschens in zwei Töpfe. Topf 1 ist der Sofort-Notgroschen, etwa ein Monatsbedarf, auf dem Girokonto oder direkt verfügbaren Tagesgeldkonto. Topf 2 ist die Hauptreserve, drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Zinstagesgeld bei einer separaten Bank.
Diese Aufteilung schützt vor Versuchung, weil der Hauptbetrag nicht so leicht zugänglich ist wie das Girokontoguthaben. Gleichzeitig sichert sie schnelle Reaktion bei kleineren Notfällen, ohne dass die Hauptreserve angerührt wird. Wer die beiden Töpfe auf verschiedene Banken legt, profitiert zusätzlich von höherer Einlagensicherung und nutzt Aktionszinsen.
Fazit
Der Notgroschen ist keine Konkurrenz zum ETF-Sparplan, sondern dessen Stabilitätsanker. Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto verhindern, dass kurzfristige Engpässe den langfristigen Vermögensaufbau ruinieren. Der scheinbare Renditeverlust ist gering, weil Tagesgeld 2026 nicht null Prozent bringt, und er wird durch das vermiedene Crash-Verkaufsrisiko überkompensiert. Wer den Notgroschen einmal hat, kann den ETF-Sparplan über Jahrzehnte ungestört laufen lassen.
Quellen
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Einlagensicherung in Deutschland, bafin.de
- Stiftung Warentest, Tagesgeld im Vergleich, test.de
- Verbraucherzentrale, Notgroschen aufbauen, verbraucherzentrale.de
- Deutsche Bundesbank, Statistik zu Spareinlagen privater Haushalte, bundesbank.de
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Für individuelle Entscheidungen ist eine Beratung durch eine zugelassene Fachperson erforderlich.