ETF-Sparplan vs. Bausparvertrag: Renditen-Vergleich 2026
- Ein breit gestreuter Aktien-ETF erzielt langfristig im Schnitt rund 6 bis 7 Prozent pro Jahr vor Steuern, ein klassischer Bausparvertrag liegt 2026 bei effektiven Guthabenzinsen von 0,1 bis 1,0 Prozent. - Der Bausparvertrag ist kein Geldanlage-Produkt, sondern eine Option auf e
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- Ein breit gestreuter Aktien-ETF erzielt langfristig im Schnitt rund 6 bis 7 Prozent pro Jahr vor Steuern, ein klassischer Bausparvertrag liegt 2026 bei effektiven Guthabenzinsen von 0,1 bis 1,0 Prozent.
- Der Bausparvertrag ist kein Geldanlage-Produkt, sondern eine Option auf ein zinsgesichertes Darlehen. Wer das Darlehen nie zieht, verschenkt die Hauptleistung.
- Im Beispiel über 15 Jahre und 200 Euro Monatsrate liegt der ETF-Sparplan brutto etwa 27.000 Euro vor dem Bausparvertrag, selbst nach Vorabpauschale und Teilfreistellung.
Worum es bei dem Vergleich wirklich geht
ETF-Sparplan und Bausparvertrag landen oft im selben Vergleich, obwohl sie zwei verschiedene Dinge tun. Der ETF baut Vermögen breit gestreut an den Aktienmärkten auf. Der Bausparvertrag ist eine Mischung aus Sparphase mit niedrigem Zins und einem späteren Anspruch auf ein zinsgesichertes Wohnungsbaudarlehen. Wer beides als reine Sparform betrachtet, vergleicht Äpfel mit Birnen.
In der Praxis geht es bei der Entscheidung 2026 meist um eine konkrete Frage: Wohin mit 100 bis 300 Euro im Monat, wenn Festgeld kaum Zinsen bringt? Genau hier gewinnt der ETF deutlich, sobald der Anlagehorizont über zehn Jahre liegt. Der Bausparvertrag punktet nur dann, wenn die spätere Baufinanzierung wirklich kommt und die Zinsen bis dahin stark steigen.
Renditen im realistischen Vergleich
Die Wertentwicklung eines weltweit anlegenden Aktien-ETFs wird häufig am MSCI World oder dem FTSE All-World gemessen. Der MSCI World hat seit 1975 eine durchschnittliche Bruttorendite von rund 8,7 Prozent pro Jahr in US-Dollar erreicht. Für deutsche Anleger nach Wechselkurs und Kosten sind 6 bis 7 Prozent pro Jahr eine vorsichtige Annahme. Der Bausparvertrag dagegen ist in der Ansparphase auf niedrige Guthabenzinsen ausgelegt. 2026 zahlen die Bausparkassen je nach Tarif zwischen 0,1 und 1,0 Prozent, die Abschlussgebühr von typisch 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme reduziert die Effektivrendite zusätzlich.
| Merkmal | ETF-Sparplan (Welt-ETF) | Bausparvertrag (Tarif Standard) |
|---|---|---|
| Erwartete Rendite p.a. | 5 bis 7 Prozent realistisch | 0,1 bis 1,0 Prozent Guthabenzins |
| Abschlusskosten | 0 Euro bei vielen Brokern | rund 1 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme |
| Laufende Kosten (TER) | 0,07 bis 0,25 Prozent p.a. | Kontoführung 0 bis 30 Euro pro Jahr |
| Steuer auf Erträge | Vorabpauschale, ggf. Verkauf | Wohnungsbauprämie, sonst kaum Erträge |
| Zugriff im Notfall | jederzeit verkaufbar | erst nach Zuteilung oder mit Verlust |
| Hauptzweck | Vermögensaufbau | gesicherter Darlehenszins später |
Beispiel 1: 200 Euro im Monat über 15 Jahre
Ein Sparer legt 200 Euro pro Monat über 15 Jahre an. Beim ETF-Sparplan rechnen wir mit 6,0 Prozent Bruttorendite pro Jahr, beim Bausparvertrag mit 0,5 Prozent Guthabenzins, Abschlussgebühr 1,2 Prozent auf eine Bausparsumme von 40.000 Euro, also 480 Euro Einmalkosten.
ETF-Sparplan Endkapital brutto: 200 Euro mal 12 Monate mal 15 Jahre ergibt 36.000 Euro Einzahlung. Mit Zinseszins zu 6 Prozent jährlich, monatlich nachschüssig, landet das Depot bei rund 58.300 Euro. Davon gehen über 15 Jahre etwa 1.800 Euro Vorabpauschale-Steuer ab, sodass nach Steuer etwa 56.500 Euro übrig bleiben. Bei einem späteren Verkauf greifen Abgeltungssteuer und Teilfreistellung, dazu mehr in den verlinkten Artikeln.
Bausparvertrag Endkapital: 36.000 Euro Einzahlung, abzüglich 480 Euro Abschlussgebühr, verzinst mit 0,5 Prozent ergeben rund 36.900 Euro Guthaben nach 15 Jahren. Ohne staatliche Förderung liegt der Bausparer damit knapp 19.600 Euro hinter dem ETF.
Wer Anspruch auf Wohnungsbauprämie hat, kann jährlich bis zu 70 Euro pro Person aufholen, was über 15 Jahre rund 1.050 Euro Plus bringt. Der Abstand bleibt riesig, solange die Darlehensoption nicht gezogen wird.
Beispiel 2: Sparer mit konkretem Baudarlehen in 10 Jahren
Eine Familie plant in zehn Jahren einen Hauskauf und will sich den Zins absichern. Sie spart 300 Euro im Monat über zehn Jahre und schließt einen Bausparvertrag mit Bausparsumme 80.000 Euro ab, Tarifzins für das spätere Darlehen 2,0 Prozent. Aktuelle 10-Jahres-Zinsen für Immobilienkredite liegen 2026 zwischen 3,3 und 3,9 Prozent.
Wenn die Zinsen in zehn Jahren auf 5,5 Prozent gestiegen sind, spart die Familie auf 80.000 Euro Restdarlehen bei 1,5 Prozent Tilgung über 20 Jahre rund 26.000 Euro Zinskosten gegenüber dem dann üblichen Marktzins. Das ist die eigentliche Leistung des Bausparvertrags. Wenn die Zinsen dagegen auf 2,5 Prozent fallen, war die Zinssicherung wertlos und der niedrige Guthabenzins kostete echte Rendite.
Der ETF-Sparplan hätte über zehn Jahre bei 6 Prozent Rendite aus 36.000 Euro Einzahlung rund 49.000 Euro gemacht, der Bausparer kommt auf etwa 36.500 Euro Guthaben. Ein Vermögensvorsprung von rund 12.500 Euro, der bei steigenden Zinsen aber durch eine Bausparoption ausgeglichen werden kann.
Kosten und Steuern verstehen
ETFs werden seit 2018 nach dem Investmentsteuergesetz besteuert. Während der Haltedauer fällt die sogenannte Vorabpauschale an, beim Verkauf greift die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, zusammen rund 26,375 Prozent. Aktien-ETFs profitieren von 30 Prozent Teilfreistellung. Das senkt die effektive Steuer auf rund 18,5 Prozent der Gewinne. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person und Jahr deckt bei moderaten Depots oft die ersten Jahre komplett ab.
Beim Bausparvertrag sind Guthabenzinsen ebenfalls steuerpflichtig, fallen wegen der niedrigen Beträge aber selten ins Gewicht. Wer Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmer-Sparzulage erhält, muss die Wohnzweckbindung beachten. Wird das Geld nicht für eine Immobilie verwendet, kann die Prämie zurückgefordert werden.
Wann der Bausparvertrag trotzdem Sinn ergibt
Sinnvoll bleibt der Bausparvertrag in drei Konstellationen. Erstens, wenn ein konkreter Bau- oder Kaufplan in 8 bis 15 Jahren steht und man die Marktrichtung der Zinsen für eher steigend hält. Zweitens, wenn der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zahlt und der Bausparer als Beitragsempfänger dient, das sind bis zu 470 Euro pro Jahr geschenktes Geld. Drittens, wenn jemand zwingend eine sehr risikoarme Sparform braucht und auf jede Marktbewegung mit Panik reagiert.
In allen anderen Fällen liefert ein breit gestreuter ETF-Sparplan mit Welt-ETF deutlich mehr Endkapital, ist flexibler verfügbar und kommt ohne Provisionsmodell aus.
Kombi-Modell mit Schwerpunkt ETF
Viele Berater empfehlen 2026 eine Kombination: 80 Prozent der Sparrate in einen Welt-ETF, 20 Prozent in einen Bausparvertrag mit klarer Bauabsicht. So entsteht Vermögensaufbau plus Zinsoption. Wer mit der vermögenswirksamen Leistung des Arbeitgebers arbeitet, kann diese in den Bausparvertrag stecken und die eigenen 100 bis 300 Euro Monatsrate in den ETF.
Wichtig ist die ehrliche Selbsteinschätzung: Bin ich bereit, 10 oder 15 Jahre Schwankungen am Aktienmarkt zu ertragen? Wenn ja, schlägt der ETF nahezu jeden Bausparvertrag in der reinen Renditebetrachtung. Wenn nein, ist der Bausparvertrag immer noch nicht die optimale Wahl, dann passen Tagesgeld plus Festgeld besser zur eigenen Risikoneigung.
Steuerliche Wirkung über die volle Laufzeit
Beim ETF-Sparplan wirkt die Steuer in drei Phasen. In der Ansparphase fällt einmal jährlich die Vorabpauschale an, die durch den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Person bei kleineren Depots oft komplett aufgefangen wird. Beim Verkauf greift die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag auf den Veräußerungsgewinn, allerdings mit der 30-prozentigen Teilfreistellung für Aktien-ETFs. Effektiv liegt die Steuerbelastung beim Verkauf eines Welt-ETFs bei rund 18,5 Prozent der Gewinne.
Beim Bausparvertrag spielt die Steuer in der Ansparphase praktisch keine Rolle, weil die Guthabenzinsen so niedrig sind, dass sie weit unter dem Sparerpauschbetrag bleiben. Bei staatlich geförderten Verträgen mit Wohnungsbauprämie muss die Wohnzweckbindung eingehalten werden, sonst wird die Prämie zurückgefordert. Das macht den Bausparvertrag steuerlich einfach, schränkt aber die Flexibilität spürbar ein.
Über 25 Jahre Anspardauer kann der steuerliche Vorteil des ETFs gegenüber dem Bausparer mehrere tausend Euro ausmachen, weil die Vorabpauschale-Steuer beim Verkauf wieder verrechnet wird und die Teilfreistellung die effektive Belastung niedrig hält.
Psychologie und Disziplin im Vergleich
Beim ETF-Sparplan kommt der psychologische Faktor dazu. Wer 2008 oder 2020 Aktien hatte, hat in beiden Crashs zwischen 30 und 50 Prozent Buchverluste gesehen. Wer in diesen Momenten verkauft, realisiert die Verluste tatsächlich. Wer durchhält, profitiert von der späteren Erholung. Diese Disziplinanforderung ist nicht trivial, vor allem für Anleger, die noch nie eine größere Krise erlebt haben.
Der Bausparvertrag dagegen kennt diese Schwankungen nicht. Das Guthaben steigt monoton an, allerdings auf niedrigem Niveau. Diese Konstanz ist für Sparer mit geringer Risikotoleranz wertvoll, kostet aber Rendite. Wer von vornherein weiß, dass er bei Kursverlusten in Panik gerät, sollte den Aktien-ETF nicht überdosieren, sondern eine Mischung aus Tagesgeld plus kleinerem ETF-Anteil wählen.
Fazit
Der reine Renditenvergleich 2026 fällt deutlich zugunsten des ETF-Sparplans aus. Selbst nach Steuern, Vorabpauschale und vorsichtigen Renditeannahmen liegt der ETF nach 15 Jahren rund 15.000 bis 25.000 Euro über dem Bausparvertrag bei typischen Raten von 150 bis 250 Euro pro Monat. Wer einen konkreten Baufinanzierungsplan hat und das Zinsänderungsrisiko absichern will, kombiniert beides. Wer einfach Vermögen aufbauen möchte, fährt mit einem Welt-ETF besser.
Quellen
- Bundesministerium der Finanzen, Investmentsteuergesetz und Vorabpauschale, bundesfinanzministerium.de
- Stiftung Warentest, Bausparvertrag im Test, Finanztest Ausgaben 2024 bis 2026, test.de
- MSCI, MSCI World Index Factsheet, msci.com
- Verbraucherzentrale, Bausparen und Wohnungsbauprämie, verbraucherzentrale.de
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Für individuelle Entscheidungen ist eine Beratung durch eine zugelassene Fachperson erforderlich.